Neues aus der Medienwelt

Die Studenten des HdM Stuttgarter Medienkongress-Teams haben für Sie recherchiert und die Insights rund um die Themen des Kongresses hier festgehalten:

 

Wie Micro-Influencer das Influencer Marketing revolutionieren

Kaum haben sich Marketer im Online-Marketing von den Vorteilen des Influencer Marketings überzeugen lassen, schon steht ein neues Buzzword im virtuellen Raum: Micro-Influencer ist das Wort der Stunde.

Influencer Marketing ist eine Marketing-Strategie, bei der Marketer vom Einfluss und der Reichweite wichtiger Meinungsführer und Multiplikatoren profitieren. Der Ansatz selbst ist nicht neu, jedoch gibt es neue Meinungsführer, wozu vor allem Blogger, Youtuber und Social Media-Influencer zählen.

"Viel hilft viel", dachten sich wohl einige Werber bei der Implementierung ihrer Social Media-Influencer-Kampagnen im Marketing-Mix, engagierten und bezahlten die Top-Influencer der Branche. Diese sogenannten "A-List"-Blogger weisen eine besonders hohe Reichweite von bis zu Millionen Follower auf. Die amerikanische Influencer-Agentur Markerly entzauberte kürzlich den Glanz dieser Internet-Riesen und machte deutlich, warum der Trend zu kleineren Kanälen, den Micro-Influencern, gehen sollte. Ihre Studie validiert: Mit einem Anstieg der Follower-Zahl sinkt deren Engagement. Das gilt, so Markerly, sowohl für die Like- als auch für die Comment-Rate. Während kleine Kanäle mit bis zu 1.000 Followern eine Like-Rate von bis zu 8% aufwiesen, sinke die Rate bei 10.000 Fans auf 4% und bei den Top Social Media-Influencern, ab 100.000 Followern, sogar auf eine Rate von 1,7%.

Während man mit jenen A-List-Bloggern eine breite, eher unspezifische Zielgruppe erreicht, deren "Involvement" weniger stark ist, erreicht man mit der Ansprache durch Micro-Influencer ein segmentiertes Publikum. Marketing mit Micro-Influencern profitiert daher nicht nur von besseren Like- und Comment-Raten, sondern gewährt ein hohes Identifikationspotenzial. Follower fühlen sich mit dem Influencer, der sich nur an eine kleinere, privatere Öffentlichkeit richtet, schnell verbunden. Diese Verbundenheit, diese Nähe, fehlt den großen Namen der Branche teilweise. Blogger wie Bibisbeautypalace, Caro Daur oder Xenia Overdose, leben durch die hauptberufliche Tätigkeit als Influencer ein privilegiertes Leben, von dem die Follower nur träumen. Der ursprüngliche Kerngedanke der Werbung mit Social Influencern, werben mit "Menschen wie Du und ich", hat sich bei den A-List-Bloggern, die Promi-Status erreicht haben, gewandelt. Die Kooperation mit Micro-Influencern bedeutet also eine Rückbesinnung auf einen zentralen Wert des Influencer Marketings, das hohe Identifikationspotential.  

"Bei der Wahl des passenden Influencers sind die Ziele der jeweiligen Kampagne entscheidend. Wem es nicht allein um Reichweite sondern um Engagement geht, findet bei Micro-Influencern die interessantere Zielgruppe. Sozusagen die "besseren" Follower ‒ die sich intensiver mit den Inhalten auseinandersetzen und mit höherer Wahrscheinlichkeit Conversion generieren.", bestätigt auch Alina Ludwig, Social Media Managerin bei Weber Shandwick in München.
Insbesondere für Nischenprodukte wird das also zu einer Chance, ihre zentrierte Zielgruppe über den Micro-Influencer, den Experten, anzusprechen. Deren authentische Beurteilung implementiert eine hohe Glaubwürdigkeit, den sog. "Trust Faktor" und ist somit besonders effektiv.

Doch wo sind diese Micro-Influencer zu finden? Sowohl das Filter-Tool von Twitter als auch verschiedene Anbieter auf dem Markt bieten Tools, die Micro-Influencer identifizieren. Vorteil des Influencer Marketings ist, dass bei gleichbleibender Investition, gesplittet auf mehrere themenaffine Kanäle, der Erfolg von Influencer- Kampagnen nachhaltig verbessert werden kann.

Das Influencer Marketing ist nur ein Beispiel wie die einzelnen Aktivitätsräume, wie Twitter oder YouTube, für Marketingzwecke genutzt werden. Was die einzelnen Aktivitätsräume charakterisiert, welche weiteren Nutzungsformen es gibt und welche Inhalte bei den Nutzern wirklich punkten wird im Panel III "Fitnessraum" thematisiert und diskutiert.

Autorin:
Saskia Schneider, Studierende, Hochschule der Medien Stuttgart (HdM)

E-Commerce – Endstation oder Chance für den stationären Point of Sale?

Kleidung, Unterhaltungselektronik, Möbel – all das können deutsche Verbraucher inzwischen bequem mit nur ein paar Mausklicks online bestellen und sich nach Hause liefern lassen. Die Nutzung des vielfältigen Angebots des Online-Handels ist hoch: Die Umsätze stiegen von 31,3 Mrd. Euro auf 41,7 Mrd. Euro, wobei der Online-Anteil am stationären Handel in 2015 bereits über 9 Prozent betrug. Auch für das Jahr 2016 wird ein weiterer Anstieg auf bis zu 46,3 Mrd. Euro prognostiziert.

Zahlreiche Einzelhändler sehen angesichts dieser Zahlen ihre Existenz bedroht und protestieren gegen den zunehmenden Leerstand in deutschen Innenstädten. Doch ist E-Commerce für den stationären Point of Sale tatsächlich
eine Einbahnstraße, an deren Ende die gänzliche Digitalisierung des Einkaufserlebnisses steht?

Nicht zwangsläufig, wie die aktuelle PwC-Studie "Store 4.0: Zukunft des stationären Handels" zeigt. Danach nutzen zwar auch weiterhin viele deutsche Konsumenten den stationären Handel als Informationszentrum, um bestimmte Waren anschließend online zu kaufen. Jedoch wird umgekehrt mittlerweile nahezu genauso oft vor einem Kauf im stationären Handel nach dem entsprechenden Produkt im Internet recherchiert.

Die Studienergebnisse verdeutlichen: Für die Konsumenten verschwimmt die Grenze zwischen den Vertriebskanälen
zunehmend. Die Tage des starren Multi-Channel-Retailing, bei dem "Offline" und "Online" stets miteinander im Wettbewerb standen, sind gezählt. Für die Händler bedeutet dies, vermehrt auf Omni-Channel-Angebote zu
setzen, um den Kunden einen angenehmen, kanalunabhängigen Einkauf zu ermöglichen. Die verschiedenen Absatzkanäle müssen dabei so miteinander verschmelzen, dass ein aus Kundensicht konsistentes Einkaufserlebnis
entsteht.

Im Hinblick auf die Verschmelzung der Kanäle geht der Trend jedoch nicht, wie vielleicht anzunehmen, hin zum
reinen stationären Handel (Brick & Mortar) mit zusätzlichen Online-Shop (Bricks & Clicks). Vielmehr entdecken
aktuell zahlreiche Online-Pure-Player das schon totgeglaubte Prinzip des stationären Ladenlokals für sich.

Angefangen bei mymuesli, die bereits 2009 ihre erste Filiale eröffneten und im Juli 2016 bereits 50 Müsliläden
zählten, bis hin zu Platzhirsch Amazon, dessen erstem stationären Buchladen (Eröffnung im November 2015) noch weitere folgen werden. Der stationäre Point of Sale dient den Online-Pure-Playern als Erweiterung ihres Marktplatzes im Internet und als zusätzlicher Customer Touch Point, der neue Service-Möglichkeiten, wie Beratung zu Produkten, die Abholung von online bestellten Waren oder schnellen Umtausch eröffnet.

Mit diesem Strategiewechsel rennen die Händler bei den deutschen Konsumenten offene Türen ein. Denn der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung empfindet den stationären Einkauf als angenehm, wünscht sich eine persönliche Beratung und begutachtet die Produkte gerne selbst vor dem Kauf.

Gerade deswegen ist es wichtig, dass nun ebenfalls lokale Händler reagieren und die deutlich wahrnehmbare Veränderung im Konsumentenverhalten ernstnehmen. Auch für sie bietet die Integration von Offline- und Online-Kanälen die Chance, ihre ortsgebundenen Marktplätze ins Internet zu erweitern und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Sind die aktuellen Entwicklungen im E-Commerce damit also das Ende des stationären Point of Sale? Nein! Wenn
die regionalen Retailer die Berührungsängste gegenüber dem Medium Internet verlieren, kann E-Commerce dazu
beitragen, dass der stationäre Point of Sale serviceorientierter und digitaler weitergeführt werden kann.

Autorin:
Vanessa Köhler, Studierende, Hochschule der Medien Stuttgart (HdM)


Quellen:
Statista (2016): Umsatz im Einzelhandel im engeren Sinne in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2016 (in Mrd. Euro)
Handelsverband Deutschland (2016): E-Commerce-Umsätze: B2C-E-Commerce Wachstum setzt sich fort

Lokaljournalismus neu gedacht

Die Antwort auf die Frage: "… und woher weißt Du das?" fällt Jugendlichen und jungen Leuten inzwischen sehr leicht: "Aus dem Internet natürlich!" Dort kennen sie sich aus, dort finden sie ihre Quellen - dort sind sie Zuhause. In der heutigen Gesellschaft mit ständigem Fortschritt werden folgende Anforderungen für selbstverständlich erachtet:

  • Aktualität
  • Multimedialität
  • Interaktivität

Den Wandel in die Digitalisierung haben viele Branchen bereits geschafft. Aber wie sieht es mit dem Lokaljournalismus aus? Als vorwiegend in Printform genutztes Format, wie Zeitungen, Zeitschriften, Beileger und Magazine hat es der Journalismus schwer, diese Anforderungen umzusetzen. Spätestens nach Druck einer Ausgabe können keine inhaltlichen Korrekturen oder Zusatzinformationen vorgenommen werden, die das Blatt aktualisieren würden. Auch aus diesem Grund wenden sich die Menschen von Printprodukten ab. Das allzeit zugängliche Internet, das jeder bei sich in den Taschen trägt, gibt einfach, schnell und kostengünstig Auskunft auf Fragen jeder Art.

Mit diesem gesellschaftlichen Wandel stellen sich die Fragen:

  • Wie kann multimedialer digitaler Journalismus aussehen?

  • Und wie kann dieser als „Epochenwechsel“ bezeichneter Weg von Print in die Multimedialität umgesetzt werden?

Zu berücksichtigen sind folgende Aspekte, die auch als Handlungsempfehlungen herangezogen werden können:

  • Digitaler Journalismus muss prozesshaft verstanden werden, d. h. journalistische Inhalte können permanent präzisiert, korrigiert und – auch noch nach einigem Zeitablauf – fortgeschrieben werden.

  • Digitaler Journalismus ist von enormem Tempo geprägt – sowohl in der Informationsbeschaffung über das Web und über Social Media als auch in der Berichterstattung nahezu in Echtzeit (kritisches Stichwort: „Live-Tickeritis“).

  • Das Berufsbild des Digitalen Journalisten setzt eine hohe Technikaffinität voraus und wandelt sich komplett im Zuge der Digitalisierung.

  • Vielmehr werden neue Technologien weiter die mobilen Nutzungsbedingungen beeinflussen und dazu führen, dass Nutzer noch häufiger in jeder erdenklichen Lebenssituation rezipieren, reagieren und partizipieren wollen.

Diese genannten Aspekte beleuchten nur einen Bruchteil an Herausforderungen, die dem Lokaljournalismus bevorstehen. Bei vielen Verlagen wurde der Digitalisierungsprozess bereits in die Hand genommen, wie z.B. beim „Hamburger Abendblatt“, die einen Live-Blog zur aktuellen Berichterstattung des US-Wahlkampfs eingerichtet haben.